Kurz gesagt

Ein Accountability-Partner ist ein Mensch, dem du freiwillig und regelmäßig ehrlich sagst, wie es steht. Wähle jemanden, der verschwiegen ist, nicht selbst mitten im Problem steckt und dich weder schont noch verurteilt, etwa einen Freund, Bruder oder Mentor, nicht deine Ehefrau. Vereinbart vorher, wann ihr euch meldet, was ein schwerer Tag ist und was er dann tut. Rechenschaft heißt: Du erzählst, er überwacht nicht.

Stand: · Michael Porwol

Was ein Accountability-Partner ist und was nicht

Der englische Begriff hat sich auch bei uns eingebürgert. Gemeint ist eine Vertrauensperson, der du Rechenschaft gibst: Du erzählst regelmäßig und freiwillig, wie es dir mit deinem Vorsatz geht, auch wenn es schlecht läuft.

Ein Accountability-Partner ist kein Aufpasser, der dein Handy kontrolliert. Er ist kein Therapeut, der eine Störung behandelt. Und für Katholiken ist er kein Beichtvater. Er ist ein Mensch, bei dem das Verborgene ausgesprochen wird, bevor es dich auffrisst.

Einen Hinweis, warum das helfen kann, gibt die Forschung zu Scham und Schuld. Laut der Übersichtsarbeit von June Tangney und Kollegen drängt Scham dazu, eine Sache zu leugnen, zu verstecken oder ihr zu entfliehen. Schuld dagegen führt eher zu Gestehen, Entschuldigen und Wiedergutmachen. Wer einen festen Menschen hat, dem er es sagt, gibt der Schuld einen Weg und nimmt der Scham ihr Versteck. Auch in der Rückfallvorbeugung nach G. Alan Marlatt gehört zum Notfallplan, sich nach einem Ausrutscher so bald wie möglich zu melden. Dort ist es der Therapeut, im Alltag kann es ein vertrauter Mensch sein. Mehr dazu, was nach einem Fall hilft, steht unter Rückfall: Was jetzt?.

Wen du fragen kannst

Es muss kein Experte sein. Wichtiger sind ein paar Eigenschaften:

  • Verschwiegen. Was du ihm sagst, bleibt bei ihm. Prüf das an seinem bisherigen Verhalten, nicht an seinem Versprechen.
  • Erreichbar. Jemand, der auf eine Nachricht am selben Tag antwortet, hilft mehr als ein weiser Mann, den du nur zweimal im Jahr siehst.
  • Ehrlich, ohne zu predigen. Er soll nachfragen dürfen, auch unbequem. Er soll dich nicht kleinmachen.
  • Nicht von dir abhängig und du nicht von ihm. Dein Chef, dein Angestellter oder jemand, dem du Geld schuldest, sind schlechte Kandidaten.
  • Nicht selbst mitten drin. Das schließt Mitstreiter nicht aus, siehe die Fragen unten. Aber einer von euch sollte festen Boden unter den Füßen haben.

Möglich sind ein guter Freund, ein Bruder, ein älterer Mentor, ein Mann aus deiner Gemeinde oder eine kleine Männerrunde. Wer niemanden im Umfeld hat, kann mit einer Beratungsstelle oder einem Therapeuten anfangen. Deine Ehefrau ist für diese Rolle nicht gedacht, auch wenn sie von deinem Weg wissen darf. Warum, steht in Mit der Ehefrau über Pornos sprechen.

Wie du fragst: Sätze zum Sagen

Der schwerste Teil ist der erste Satz. Schreib ihn dir vorher auf. Zum Beispiel, unter vier Augen oder am Telefon:

„Ich möchte dich um etwas bitten, das mir nicht leichtfällt. Ich komme seit längerer Zeit von Pornos nicht los und will das ändern. Ich suche jemanden, dem ich ab und zu ehrlich sage, wie es steht. Du musst nichts lösen, nur zuhören und nachfragen. Kannst du dir das vorstellen? Du darfst auch Nein sagen oder dir Zeit nehmen.“

Ein paar Dinge helfen dabei:

  • Sag es nüchtern. Keine Ausschmückung, keine Einzelheiten. „Pornos“ und „seit längerer Zeit“ reichen.
  • Gib ihm einen Ausweg. Wer Nein sagen darf, kann ehrlicher Ja sagen.
  • Frag nicht im Vorbeigehen. Nicht zwischen Tür und Angel, nicht vor anderen, nicht mit Alkohol im Spiel.

Sagt er Nein, ist das keine Ablehnung deiner Person. Bedank dich und frag den Nächsten auf deiner Liste.

Was ihr vereinbart

Unklare Abmachungen schlafen schnell ein. Klärt beim ersten Treffen ein paar Punkte und schreibt sie auf:

Punkt Beispiel
Rhythmus Eine kurze Nachricht jeden Sonntagabend, ein Gespräch einmal im Monat
Schwerer Tag Du schreibst „schwerer Tag“, er fragt am Abend kurz nach
Nach einem Fall Du meldest dich innerhalb von 24 Stunden von dir aus
Feste Fragen „Wie ging es diese Woche, ehrlich?“ „Wo war es knapp?“ „Was ist dein nächster Schritt?“
Grenzen Keine Einzelheiten, kein Durchsuchen deines Handys, kein Weitererzählen
Überprüfung Nach zwei Monaten: Passt das noch, was ändern wir?

Wenn du auf deinem iPhone eine Sperre über die Bildschirmzeit einrichtest, kann er den Bildschirmzeit-Code eingeben, den dann nur er kennt. So hält er den Schlüssel, ohne zu sehen, was du tust. Wie das geht und worauf du dabei achten musst (etwa dass die Wiederherstellung nicht über deinen eigenen Apple Account laufen darf), steht in Pornos auf dem iPhone sperren.

Für den, der gefragt wird

Falls du diese Seite liest, weil dich jemand gefragt hat: Dass er dir das anvertraut, ist ein großer Vertrauensbeweis. Du musst nichts reparieren. Drei Dinge reichen:

  1. Danke sagen. „Danke, dass du es mir sagst.“
  2. Keine Verhörfragen. Nicht „Was genau hast du angeschaut?“ und nicht „Wie konntest du nur?“.
  3. Nach dem nächsten Schritt fragen. „Was ist dein nächster Schritt?“ Und später nachhaken, ob er ihn gegangen ist.

Erschrick nicht und spiel es auch nicht herunter. „Ist doch normal, macht jeder“ hilft ihm genauso wenig wie Entsetzen.

Rechenschaft ohne Überwachung

Es gibt zwei Arten, Rechenschaft zu organisieren. Monitoring-Programme wie Covenant Eyes zeichnen auf, was auf dem Gerät passiert, und schicken einer Vertrauensperson Berichte. Für manche Männer ist das genau richtig, gerade wenn sie wissen, dass sie sich selbst etwas vormachen. Einen ehrlichen Vergleich findest du unter Covenant Eyes Alternativen.

Der andere Weg ist der Selbstbericht: Du sagst, wie es steht, und niemand schaut mit. Die Verantwortung bleibt bei dir, und die Beziehung bleibt eine unter Erwachsenen. Die Schwäche ist offensichtlich: Er hängt an deiner Ehrlichkeit. Wenn du merkst, dass du deinem Partner wiederholt etwas verschweigst, ist das ein Signal, mehr Hilfe zu holen, sei es ein Monitoring-Programm, eine Gruppe oder ein Therapeut.

Consurgam geht diesen zweiten Weg. Mit dem Partner-Check-in sagst du einem Menschen, dem du vertraust, wie es steht, wann du willst. Es gibt keinen Live-Feed und keine automatischen Berichte.

Wenn du niemanden hast

Das ist kein Grund, gar nicht anzufangen. Fang mit dem an, was es gibt: ein Gespräch in einer Beratungsstelle oder bei einer Therapeutin, eine Männergruppe, ein Seelsorger. Aus solchen Kontakten kann später eine feste Vertrauensperson werden. Bis dahin ist es gut, Abend für Abend kurz ehrlich mit dir selbst zu sein und aufzuschreiben, wie der Tag war.

Wenn du glaubst

Ignatius von Loyola beschreibt in der 13. Regel zur Unterscheidung der Geister den Feind wie einen falschen Liebhaber, der im Verborgenen bleiben und nicht entdeckt werden will. Ignatius selbst schreibt dort, es sei dem Feind sehr zuwider, wenn man seine Einflüsterungen dem guten Beichtvater oder einem anderen geistlichen Menschen offenbart, der seine Täuschungen kennt. Das ist ein Rat aus der geistlichen Tradition, kein Dogma.

Ein Bruder im Glauben kann ein sehr guter Accountability-Partner sein, und ihr könnt füreinander beten. Das Gespräch mit ihm ist aber nicht die Beichte und ersetzt sie nicht. Der Katechismus sagt, dass das Bekenntnis der Sünden „schon rein menschlich gesehen“ befreit (KKK 1455), und das Geständnis vor dem Priester ist ein wesentlicher Teil des Bußsakraments (KKK 1456). Gut ist, beides zu verbinden: einen Freund für den Alltag und einen festen Beichtvater, der den Weg über längere Zeit kennt. Mehr dazu unter Immer dieselbe Sünde beichten.

Fragen

Kann meine Frau mein Accountability-Partner sein?

Aus seelsorglicher Erfahrung besser nicht. Wenn die Ehefrau zur Kontrollinstanz wird, entsteht leicht ein Eltern-Kind-Verhältnis, und jeder Fehltritt trifft sie neu. Ehrlich zu ihr zu sein, ist etwas anderes, als sie zur Aufpasserin zu machen. Für die Rechenschaft such dir einen Mann außerhalb der Ehe.

Was, wenn mein Accountability-Partner selbst Probleme mit Pornos hat?

Zwei Männer, die beide kämpfen, können sich gegenseitig tragen. Sie können sich aber auch gegenseitig entschuldigen. Wenn ihr euch füreinander entscheidet, holt euch zusätzlich jemanden dazu, der schon weiter ist, oder eine Gruppe mit erfahrener Leitung.

Wie oft sollte ich mich bei meinem Accountability-Partner melden?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Hilfreich ist ein fester, kurzer Termin, zum Beispiel eine Nachricht jeden Sonntagabend, plus die Abmachung, dich an schweren Tagen und nach einem Fall von selbst zu melden. Lieber kurz und regelmäßig als lang und selten.

Brauche ich eine Accountability-Software?

Nicht unbedingt. Software, die Berichte an eine Vertrauensperson schickt, ist für manche Männer genau das Richtige, vor allem, wenn sie merken, dass sie sonst nicht ehrlich bleiben. Andere kommen mit Gesprächen und einer guten Sperre auf dem eigenen Gerät besser zurecht. Beides ist ein legitimer Weg.

Quellen

Weiterlesen

Auch auf: How to find an accountability partner (English)