Kurz gesagt

Ja, es hat Sinn. Reue schließt den ernsten Vorsatz ein, nicht mehr zu sündigen, aber ein Vorsatz ist keine Garantie, dass es gelingt. Der Katechismus sagt sinngemäß, dass die Keuschheit in Stufen wächst, die noch unvollkommen und für die Sünde anfällig sind (KKK 2343). Wer mit derselben Sache wiederkommt, gibt nicht auf. Er lässt sich heilen.

Stand: · Michael Porwol

Warum es immer wieder dasselbe ist

Wer mit Pornografie oder Selbstbefriedigung ringt, sagt im Beichtstuhl oft Monat für Monat denselben Satz. Irgendwann kommt der Gedanke: Der Priester kann es nicht mehr hören, Gott vermutlich auch nicht, und ich meine es offenbar nicht ernst.

Eine Gewohnheit, die über Jahre gewachsen ist, löst sich selten mit einem einzigen Entschluss. Der Katechismus ist da nüchtern. Selbstbeherrschung zu erringen sei „eine langwierige Aufgabe“, und man dürfe „nie der Meinung sein, man habe sie für immer erworben“ (KKK 2342). Die Keuschheit „folgt Gesetzen des Wachstums“ und durchläuft Stufen, in denen sie „noch unvollkommen und für die Sünde anfällig ist“ (KKK 2343).

Dass dieselbe Sünde wiederkehrt, nimmt ihr nicht den Ernst. Es heißt aber auch nicht, dass dein Weg nichts taugt. Aus der Seelsorge kennt man die Erfahrung, dass sich bei eingeschliffenen Mustern oft zuerst das Drumherum ändert: Du kommst schneller zurück, du bist ehrlicher, du erkennst deine Auslöser früher. Das ist eine Beobachtung, kein Maßstab der Kirche, und bei dir kann Fortschritt anders aussehen.

Warum das kein Scheitern ist

Die Beichte ist kein Zeugnis, auf dem jedes Mal dieselbe schlechte Note steht. Sie ist ein Sakrament der Heilung. Der Katechismus beschreibt, wozu das regelmäßige Bekenntnis gut ist: Es ist eine Hilfe, „unser Gewissen zu bilden, gegen unsere bösen Neigungen anzukämpfen, uns von Christus heilen zu lassen und im geistigen Leben zu wachsen“ (KKK 1458). Dass du beim nächsten Mal etwas Neues mitbringen musst, steht dort nicht.

Im selben Abschnitt zitiert der Katechismus Augustinus: „Das Bekenntnis der schlechten Werke ist der Beginn deiner guten Werke.“ Wer immer wieder kommt, fängt immer wieder an. Das ist kein Kreis, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Als Petrus fragt, wie oft er seinem Bruder vergeben soll, antwortet Jesus: „bis zu siebzigmal siebenmal“ (Mt 18,22 EÜ). Dort geht es um Vergebung unter Menschen, die Anwendung auf Gottes Barmherzigkeit ist eine Deutung. Sie passt aber zu dem Vater im Gleichnis, der dem heimkehrenden Sohn schon von Weitem entgegenläuft (Lk 15,20).

Der Vorsatz ist keine Garantie

Viele Männer zögern vor der Beichte, weil sie fürchten, ihre Reue sei nicht echt. Sie denken: Ich weiß doch, dass ich wieder falle. Wie soll ich da versprechen, es nicht mehr zu tun?

Die Kirche beschreibt die Reue als „den Seelenschmerz und den Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen“ (KKK 1451). Verlangt ist der ernste Vorsatz, nicht die Gewissheit, dass er gelingt. Ein Vorsatz ist eine Entscheidung deines Willens heute und keine Vorhersage über deine Zukunft. Die Angst, wieder zu fallen, beweist deshalb noch nicht, dass dir der Vorsatz fehlt. Wenn du daran ernsthaft zweifelst, sag es dem Beichtvater.

Wichtig ist dabei: Der Vorsatz umfasst den Willen, dich von der Sünde abzuwenden, nicht nur ein Teilziel. Konkrete Schritte sind Mittel, um diesen Willen umzusetzen, kein Ersatz für ihn. Als praktischer Rat, nicht als Vorschrift: Gib deinem Vorsatz solche Schritte mit, zum Beispiel:

  • „Mein Handy liegt ab heute nachts in der Küche.“
  • „Wenn ich nach 23 Uhr allein und müde bin, mache ich das Licht aus und gehe schlafen.“
  • „Wenn es mich packt, schreibe ich meinem Freund einen Satz.“

Viele erleben, dass ein kleiner Schritt, den sie wirklich gehen, sie weiter trägt als ein großer Plan, der am ersten Abend zerbricht.

Andachtsbeichte und häufige Beichte

Die Kirche verpflichtet jeden Gläubigen, nach Erreichen des Unterscheidungsalters die schweren Sünden, deren er sich bewusst ist, wenigstens einmal im Jahr zu beichten (KKK 1457; CIC can. 989). Das ist das Minimum. Darüber hinaus empfiehlt sie die Beichte auch ohne schwere Sünde: Das Bekenntnis der lässlichen Sünden ist „genaugenommen nicht notwendig, wird aber von der Kirche nachdrücklich empfohlen“ (KKK 1458). Im Deutschen nennt man das oft Andachtsbeichte.

Papst Pius XII. hat die häufige Beichte ausdrücklich verteidigt. Durch sie werde „die Selbsterkenntnis gefördert, die christliche Demut vertieft, die sittliche Schwäche an der Wurzel gefaßt“, und weiter: „das Gewissen gereinigt, der Wille gestärkt“ (Mystici Corporis, Nr. 88).

Für einen Mann, der gegen eine Gewohnheit kämpft, hat ein fester Rhythmus einen praktischen Vorteil. Die Beichte wird nicht nur der Notausgang nach einem Fall, sondern ein Termin, der einfach im Kalender steht. Viele finden einen Rhythmus, der sie trägt, etwa einmal im Monat. Einen bestimmten Rhythmus schreibt die Kirche nicht vor. Wie oft es für dich gut ist, besprichst du am besten mit deinem Beichtvater.

Ein fester Beichtvater

Das Kirchenrecht lässt dir die freie Wahl. Jeder Gläubige darf seine Sünden einem „rechtmäßig bestellten … Beichtvater seiner Wahl“ bekennen (CIC can. 991). Vorgeschrieben ist ein fester Beichtvater also nicht. Viele Männer erleben es aber als große Hilfe, wenn ein Priester ihren Weg über längere Zeit kennt. Er kann Fortschritte sehen, die du selbst übersiehst, und dir konkrete Schritte raten statt allgemeiner Mahnungen. Wenn du noch keinen hast, probier es aus. Hast du einen gefunden, dem du vertraust und der dich gut begleitet, bleib am besten bei ihm.

Du kannst es ihm leicht machen. Sätze, die du sagen kannst:

  • „Ich komme mit derselben Sache wie beim letzten Mal.“
  • „Das ist seit Jahren eine Gewohnheit. Können Sie mir einen konkreten Schritt für die nächsten Wochen mitgeben?“
  • „Wäre es gut, wenn ich regelmäßig zu Ihnen komme?“

Alle schweren Sünden, deren du dir nach sorgfältiger Gewissenserforschung bewusst bist, musst du nach Art und Zahl bekennen (CIC can. 988 §1; KKK 1456). Weißt du die genaue Zahl nicht mehr, ist es in der Beichtpraxis üblich, die ungefähre Häufigkeit zu nennen. Das ist ein Brauch, keine eigene Vorschrift. Details oder Bilder musst du nicht beschreiben. In Consurgam gibt es dafür eine kostenlose Beichthilfe mit den Schritten der Beichte und einer Notiz für den Beichtvater, die nur auf deinem Gerät bleibt.

Wenn Skrupel dazukommen

Manchmal ist nicht mehr die Sünde das größte Problem, sondern die Angst um sie. Mögliche Anzeichen: Du fragst dich zwanghaft immer wieder, ob du gesündigt hast, gehst Beichten innerlich mehrfach durch, wiederholst sie oder findest danach keine Ruhe. Das ist keine Diagnose und keine Definition der Kirche. Skrupel sind kein Charakterfehler und kein Mangel an Frömmigkeit, sondern eine Last, die viele fromme Menschen kennen.

Ignatius von Loyola hat am Ende seines Exerzitienbuchs Anmerkungen über Skrupel geschrieben (Nr. 345–351). Er unterscheidet ein bloßes Fehlurteil von einem echten Skrupel. Ein echter Skrupel ist für ihn der Gedanke, der von außen kommt und sagt, du hättest gesündigt, während es dir zugleich scheint, dass du es nicht hast, und der dich beunruhigt. Er beobachtet, dass der Feind ein zartes Gewissen noch zarter machen will, bis es Sünde sieht, wo keine ist. Eine solche Seele soll sich nach seinem Rat in der Mitte festigen, um in allem zur Ruhe zu kommen.

Viele Beichtväter raten bei Skrupeln, sich einem einzigen Beichtvater anzuvertrauen und seiner Weisung zu folgen, statt jedes Mal neu zu prüfen. Das ist bewährter seelsorglicher Rat, keine Lehre der Kirche, und Ignatius sagt es an dieser Stelle nicht. Wie du mit Unsicherem und mit früheren Beichten umgehst, ist eine Frage für deinen Beichtvater. Du musst sie nicht allein klären. Wenn die Skrupel dich stark belasten, kann auch eine Therapeutin oder ein Therapeut helfen, der deinen Glauben respektiert. Was die Kirche über Schwere und Schuld lehrt, steht ausführlicher unter Ist Pornografie eine Todsünde?

Wenn die Verzweiflung so groß wird, dass du daran denkst, dir etwas anzutun: Die TelefonSeelsorge ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Im Notfall wähle 112.

Fragen

Ist meine letzte Beichte ungültig, wenn ich wieder gefallen bin?

Ein späterer Fall beweist nicht, dass deine Reue damals unecht war. Die Reue verlangt den ernsten Vorsatz, nicht die Garantie, dass er hält (KKK 1451). Wenn du ernsthaft zweifelst, ob dir damals jeder Vorsatz fehlte, besprich das mit deinem Beichtvater, statt es allein zu entscheiden.

Darf ich beichten, obwohl ich glaube, dass ich wieder falle?

Ja. Die Angst vor dem nächsten Fall ist etwas anderes als der fehlende Wille zur Umkehr. Bring den ernsten Willen mit, dich von der Sünde abzuwenden, und einen kleinen konkreten Schritt als Mittel dazu. Du darfst dem Priester sagen, dass du Angst hast, wieder zu fallen.

Wie oft darf man zur Beichte gehen?

Vorgeschrieben ist nur ein Minimum: Jeder Gläubige muss nach Erreichen des Unterscheidungsalters die schweren Sünden, deren er sich bewusst ist, wenigstens einmal im Jahr beichten (KKK 1457; CIC can. 989). Darüber hinaus empfiehlt die Kirche die regelmäßige Beichte ausdrücklich (KKK 1458). Einen bestimmten Rhythmus schreibt sie nicht vor. Viele gehen etwa einmal im Monat; bei Skrupeln sprichst du den Rhythmus am besten mit einem festen Beichtvater ab.

Muss ich dem Priester sagen, dass es wieder dasselbe ist?

Verpflichtend ist, alle schweren Sünden, deren du dir nach sorgfältiger Gewissenserforschung bewusst bist, nach Art und Zahl zu bekennen (CIC can. 988 §1). Ausdrücklich dazuzusagen, dass es eine wiederkehrende Sünde ist, schreibt die Kirche nicht eigens vor. Es kann aber helfen, weil der Priester dir dann einen Rat für den Weg geben kann und nicht nur für den einen Fall. Ein Satz genügt: „Das kommt bei mir immer wieder.“

Was ist eine Andachtsbeichte?

So nennt man eine Beichte ohne schwere Sünde, in der man seine alltäglichen Fehler bekennt. Sie ist nicht verpflichtend, wird von der Kirche aber nachdrücklich empfohlen, weil sie hilft, das Gewissen zu bilden und gegen schlechte Neigungen anzukämpfen (KKK 1458).

Quellen

Weiterlesen

Auch auf: Confessing the same sin over and over (English)