Kurz gesagt

In der Versuchung hilft ein kurzes Gebet, das du sprichst, während du aufstehst und den Raum wechselst, etwa das Jesusgebet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, hab Erbarmen mit mir Sünder!“ Lange Gebete im Bett, mit dem Handy in der Hand, sind meist ein Verhandeln mit der Versuchung. Der Katechismus sagt, dass der Sieg in diesem Kampf nur im Gebet möglich ist (KKK 2849), und er nennt zugleich die Mittel, die dazugehören: Selbsterkenntnis, Verzicht und Treue im Gebet (KKK 2340).

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Stand: · Michael Porwol

Beten und aufstehen

Viele Männer kennen diese Lage: Es ist spät, das Handy liegt in der Hand, der Drang ist da. Man betet, aber man bleibt liegen. Man bittet Gott um Kraft und scrollt dabei weiter. Und hinterher kommt der Gedanke, das Gebet habe nicht geholfen.

Das Gebet ist kein Ersatz für die Tür zum Flur. Jesus sagt im Garten Getsemani: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Mt 26,41). Wachen und Beten gehören zusammen. Der Katechismus nennt die Mittel, die einer braucht, der den Versuchungen widerstehen will: „Selbsterkenntnis, den jeweiligen Situationen angepaßten Verzicht, Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes, Übung der sittlichen Tugenden und Treue im Gebet“ (KKK 2340). Das Gebet steht da nicht allein.

Ganz praktisch heißt das: Sprich das Gebet im Gehen. Steh auf, leg das Handy weg, geh in einen anderen Raum und bete dabei. Dann wird das Gebet zur Antwort auf die Versuchung und nicht zum Gespräch mit ihr.

Warum das Gebet trotzdem zählt

Der Katechismus ist an dieser Stelle sehr deutlich. Über die Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ schreibt er: „Nun aber ist ein Sieg in einem solchen Kampf nur im Gebet möglich“ (KKK 2849). Jesus selbst habe den Versucher durch das Gebet besiegt, von Beginn an bis zu seiner Todesangst. Und die Bitte des Vaterunsers flehe „um den Geist der Unterscheidung und der Kraft“ (KKK 2846).

Beim Thema Reinheit zitiert der Katechismus Augustinus, der lange gemeint hatte, Enthaltsamkeit sei Sache der eigenen Kraft: „Du hättest es mir gegeben, wenn ich mit innerlichem Seufzen dein Ohr bestürmt und in gefestigtem Glauben meine Sorge auf dich geworfen hätte“ (KKK 2520). Wer betet, gibt zu, dass er es allein nicht schafft. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern der Anfang von Hilfe.

Und er zitiert Paulus: „Gott ist treu; er wird nicht zulassen, daß ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so daß ihr sie bestehen könnt“ (KKK 2848, 1 Kor 10,13). Den Ausweg schafft Gott, du musst ihn nur gehen. Versucht zu werden ist dabei keine Sünde. Der Katechismus unterscheidet ausdrücklich zwischen dem „Versuchtwerden“ und dem Zustimmen zur Versuchung (KKK 2847).

Kurze Gebete für die schwere Minute

In der Versuchung fehlen dir die eigenen Worte. Darum lohnt es sich, ein paar kurze Gebete auswendig zu können. Such dir eines aus und bleib eine Weile dabei.

  • Das Jesusgebet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, hab Erbarmen mit mir Sünder!“ Der Katechismus führt es auf die Bitte der Blinden im Evangelium zurück (KKK 2616). Du kannst es im Rhythmus deines Atems sprechen: einatmen bei „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes“, ausatmen bei „hab Erbarmen mit mir Sünder“.
  • Ein Psalmvers: „Gott, komm mir zu Hilfe, HERR, eile mir zu helfen“ (Ps 70,2). Mit diesem Vers beginnt auch das Stundengebet der Kirche.
  • Das Vaterunser, langsam, mit Gewicht auf der Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“. Der Katechismus erklärt, dass sie meint: Lass uns nicht in Versuchung geraten, lass uns ihr nicht erliegen (KKK 2846).
  • Unter deinen Schutz: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren, o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau.“ Es ist eine alte Anrufung der Gottesmutter; Papst Franziskus hat sie 2018 eigens empfohlen.
  • Das Gebet zum heiligen Michael: „Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe. Gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich. Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stoße den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchziehen, mit der Kraft Gottes in die Hölle hinab. Amen.“ Papst Leo XIII. hat es Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Johannes Paul II. lud 1994 ein, es nicht zu vergessen, und Franziskus bat 2018 darum, den Rosenkranz im Oktober damit zu schließen.

Der Katechismus warnt davor, die Wirkung von Gebeten nur an ihrer äußeren Ausführung festzumachen (KKK 2111). Ein Gebet ist kein Zauberspruch, sondern eine Hinwendung. Gerade feste Gebete helfen aber dann, wenn die eigenen Worte ausgehen. Weitere Gebete um Reinheit, etwa zum heiligen Josef, stehen unter Keuschheit als Mann.

Was Ignatius rät

Ignatius von Loyola hat in seinen Regeln zur Unterscheidung der Geister aufgeschrieben, was er über Versuchung beobachtet hat. Fünf davon passen genau auf diese Minuten. Die Nummern beziehen sich auf sein Exerzitienbuch.

In der Trostlosigkeit nichts ändern (Nr. 318). In Zeiten der Trostlosigkeit soll man keine Änderung vornehmen, sondern fest bei den Vorsätzen bleiben, die man vorher gefasst hat. In diesem Zustand, sagt Ignatius, sind wir schlecht beraten. Das ist dieselbe Einsicht wie der Rat „Entscheide jetzt nichts“ auf der Seite Wenn der Drang kommt.

Gegen die Trostlosigkeit angehen (Nr. 319). Man soll zwar die Vorsätze nicht ändern, aber sich selbst kräftig gegen die Trostlosigkeit wenden: mehr beten, mehr betrachten, sich gründlich prüfen und angemessene Buße tun. Nicht abwarten, sondern das Gute verstärken.

Gleich am Anfang entschlossen sein (Nr. 325). Der Feind wird schwach, wenn man ihm entschlossen das Gegenteil entgegensetzt. Wer dagegen ängstlich wird und nachgibt, dem setzt er umso härter zu. Für die Versuchung zu Pornografie heißt das: Die ersten Sekunden zählen. Je länger du verhandelst, desto schwerer wird es.

Nicht im Geheimen bleiben (Nr. 326). Der Feind will, dass seine Einflüsterungen geheim bleiben. Werden sie einem guten Beichtvater oder einem geistlichen Menschen offengelegt, verliert er sein Spiel. Darum gehört zum Gebet ein Mensch, dem du ehrlich sagen kannst, wie es steht, siehe Accountability-Partner finden, und die Beichte, siehe Pornos beichten.

Die schwächste Stelle kennen (Nr. 327). Der Feind greift dort an, wo wir am schwächsten sind, wie ein Feldherr, der eine Festung an der schwächsten Seite angreift. Wer seine Schwachstellen kennt, kann sie gezielt sichern. Welche Lagen das bei dir sind, findest du über Auslöser erkennen heraus.

Wenn das Gebet sich leer anfühlt

Manchmal betest du und spürst nichts. Der Drang bleibt, die Worte wirken hohl. Das heißt nicht, dass das Gebet umsonst war. Der Katechismus nennt das Gebet ein Geschenk der Gnade und zugleich eine entschlossene Antwort, die „immer ein Bemühen“ verlangt. Beten bedeutet Kampf, „gegen uns selbst und gegen die List des Versuchers“ (KKK 2725).

Wenn du trotzdem fällst, beweist das nicht, dass Gott dich nicht gehört hat. Steh wieder auf, bete kurz, und nimm den nächsten Schritt. Was in den Stunden danach hilft, steht unter Rückfall: Was jetzt?

Ein Plan für die Minute

Leg in einer ruhigen Stunde fest, was du in der Versuchung tust, und schreib es dir auf. Zum Beispiel:

  1. Aufstehen. Das Handy bleibt liegen, du gehst in einen anderen Raum.
  2. Ein Gebet sprechen. Immer dasselbe, damit du nicht suchen musst. Etwa das Jesusgebet, zehnmal, im Gehen.
  3. Etwas mit dem Körper tun. Wasser ins Gesicht, Treppe hinunter, ein paar Schritte vor die Tür.
  4. Einem Menschen schreiben. Ein Satz genügt: „Gerade schwer. Bin aufgestanden.“

Der Notfallknopf in Consurgam führt dich in neunzig Sekunden durch diese Schritte. Auf dem Weg mit Glauben gehören kurze Gebete dazu, wenn du sie willst. Die App urteilt dabei nicht über dich, und sie sagt dir nicht, ob etwas Sünde war. Das gehört zu deinem Gewissen und zu deinem Beichtvater.

Fragen

Welches Gebet hilft gegen Versuchung?

Kein Gebet wirkt wie ein Schalter. Gut sind kurze Gebete, die du auswendig kannst und im Gehen sprechen kannst: das Jesusgebet (KKK 2616), der Psalmvers „Gott, komm mir zu Hilfe“ (Ps 70,2), das Vaterunser mit der Bitte „führe uns nicht in Versuchung“, das Gebet zum heiligen Michael oder ein Ave Maria.

Ist es schon Sünde, versucht zu werden?

Nein. Der Katechismus unterscheidet ausdrücklich zwischen dem Versuchtwerden und dem Zustimmen zur Versuchung (KKK 2847). Ein Drang, ein Gedanke oder ein Bild, das ungewollt kommt, ist noch keine Sünde. Entscheidend ist, was du damit tust.

Was, wenn mir beim Beten die Bilder kommen?

Dann jag ihnen nicht hinterher. Der Katechismus sagt über Zerstreuungen im Gebet, wer auf sie Jagd mache, gehe ihnen in die Falle, es genüge, zum Herzen zurückzukehren (KKK 2729). Sprich laut, steh auf, geh ein paar Schritte, und fang das Gebet einfach neu an.

Hilft das Michaelsgebet gegen Pornografie?

Es ist eine Bitte um Schutz im geistlichen Kampf, die Papst Leo XIII. eingeführt hat und die Johannes Paul II. und Franziskus erneut empfohlen haben. Eine Wirkung im Sinn eines Versprechens gibt es dafür nicht. Viele Männer beten es morgens, um den Tag unter diesen Schutz zu stellen.

Darf ich beten, wenn ich gerade gefallen bin?

Ja, gerade dann. Du musst nicht erst beichten, bevor du beten darfst. Das Gebet nach einem Fall kann ganz kurz sein: „Herr, ich bin gefallen. Hilf mir aufzustehen.“ Was danach hilft, steht unter „Rückfall: Was jetzt?“.

Quellen

Weiterlesen

Auch auf: Prayer against temptation (English)